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Seite erstellt: 27.05.2014

Letzte Änderung: 28.05.2014

 

 

Der Sturz eines BGS-Fahrzeugs in den Grenzfluss Ecker (Harz)

 

 

Am Mittwoch, den 20. Januar 1982 fuhr ich Kontrollstreife im Grenzabschnitt der Grenzschutzabteilung Nord 5 Goslar.
Unser Kraftfahrzeug war der m Pkw gl (Kfz 23 gl) BG 21-384. Der Fahrer war der WM i. BGS G.
Wir fuhren um 04.00 Uhr in der Unterkunft Rammelsberg los und befuhren im Rahmen der Streife den Weg entlang der Ecker vom Wassenwerk der Eckertalsperre kommend in Richtung der Hausmannsklippen.
Die Bachmitte der Ecker ist hier der genaue Grenzverlauf.
Der Weg war teilweise mit verharschtem Schnee bedeckt, teilweise war er auch gefroren und frei.
Es begann zu dämmern und war etwa 06.00 Uhr.
Etwa 300 m vor der Abzweigung eines Weges zum Molkenhaus war der Weg völlig mit einer Eisplatte auf einer Länge von ca. 8 m bedeckt.
Es war Wasser von der linken Böschung über den Weg in Richtung Ecker geflossen und dann gefroren.
Wir fuhren ganz langsam auf die Eisplatte.
Als wir mit allen vier Rädern darauf waren, rutschte unser Fahrzeug infolge des sich zum Bach hin gebildeten leichten Gefälles nach rechts über die ca. 2 m hohe Böschung und stürzte in die Ecker.
Es kam auf der linken Fahrerseite, Motorhaube zur Böschung Bundesgebiet, zum Liegen.
Mein Fahrer und ich hingen durch die Sicherheitsgurte gehalten in den Sitzen.
Das Wasser staute sich vor dem Fahrzeug und drang hinein.
Auf meine Frage an den WM G. nach seinem Befinden lösten wir uns aus unserer Lage, krabbelten durch die Beifahrerseite ins Freie, wateten durch die Ecker, stiegen die Böschung hoch und setzten uns erst einmal auf die Böschung am Wegesrand. Wir waren völlig durchnässt aber unverletzt.

Das umgestürzte Kfz. lag teilweise auf DDR-Gebiet. Die Bachmitte war ja Grenze (Fotos siehe unten).


Nach kurzer Überlegung wies ich den WM G. an, an der Unfallstelle zu verbleiben.
Ich selbst lief und stolperte zum etwa 1,5 km entfernten Wasserwerk der Eckertalsperre.
Dort wurde ich sogleich mit trockener Bekleidung versorgt und von dort benachrichtigte ich telefonisch die Dienststelle in Goslar und den zur Zeit in Brunnenbachsmühle (bei Braunlage) sich aufhaltenden Kf.-Sachbearbeiter.
Sofort anschließend fuhr mich ein Bediensteter des Wasserwerkes mit einem VW-Käfer, der mit Snow-Gripp-Ketten bestückt war, zur Unfallstelle zurück.
Nun wurde auch HW G. mit trockener Kleidung versorgt. Er saß noch zitternd und frierend an der Wegeböschung und hatte während meiner Abwesenheit die Waffen sowie die Streifen- und Funkunterlagen aus dem umgestürzten Fahrzeug herausgeholt.

Auf Seite der DDR war bisher keine Reaktion o.ä. erfolgt.
Wie später bekannt wurde, hatte der Abt.-Kdr. in Goslar sofortige ,,Funkstille" für alle befohlen.
Kurze Zeit später traf eine Zollstreife an der Unfallstelle ein.
Nach ca. 1 Std. waren auch die Hilfskräfte aus Goslar vor Ort, und das Kfz. wurde mit dem Abschleppkw. aus der Ecker geborgen.
Auch bis zum Ende der gesamten Aktion wurde kein Angehöriger der Grenztruppe der DDR bemerkt oder irgendeine Reaktion festgestellt, obwohl die ganze Bergeaktion nicht leise vonstatten ging.
Das Kraftfahrzeug wurde später in der ortsfesten K-Werkstatt instand gesetzt und war danach noch etliche Jahre im Einsatz.

 

(erlebt und aufgeschrieben von Jörg Steinmann; damals Schirrmeister (K) der 4. GSA Nord 5)


 

Vergrößern der folgenden Bilder mit Mausklick


Unfallskizze 01

Unfallskizze 02


 

Bild links:

Das BGS-Fahrzeug liegt kopfüber im Grenzfluss Ecker, nachdem es vom Waldweg (am linken Bildrand auf Höhe der Personengruppe) nach rechts die Böschung hinab rutschte. Bei der Bergung war auch der BGS-Angehörige Lothar Engler vom technischen Zug beteiligt (zu erkennen im roten Taucheranzug).

 


Bild links:

Weitere Vorbereitung der Bergung durch BGS-Kräfte des techn. Zuges.