Mit dem Fahrrad entlang der innerdeutschen Grenze von Lauenburg/Elbe bis Helmstedt

vom 19.06. bis 23.06.2017

 

 

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Seite erstellt: 05.03.2018

Letzte Änderung: 07.03.2018


 

Tag 3: Mittwoch, d. 21.06.2017 ---- von Schnackenburg/Elbe bis Bergen (Dumme)

Die Wettervorhersagen für den heutigen Tag sind für einen Freizeitradler wiederum extrem günstig.

Einzig die Erzählungen eines holländischen Paares, mit dem ich mich am Vortags in Schnackenburg ausgetauscht habe, machen mir ein wenig Sorgen. Die Eichen an den Wegesrändern und Wäldern sitzen voll mit Eichen-Prozessionsspinnern, eine Raupenart, deren Härchen bei Berührungen mit der Haut einen Ausschlag und unangenehmen Juckreiz hervorrufen. Mir waren bereits am ersten Tourtag in einem Waldstück zwischen Lauenburg und Boitzenburg entsprechende Warntafeln aufgefallen, bin aber unbeschadet durch das Gebiet hindurch gekommen. Die Erfahrungen der Holländer haben mich dann aber doch dazu veranlasst, entsprechende Kleidung für diesen dritten Tourtag anzuziehen.

Da ich kein Quartier für die nächste Übernachtung vorgebucht hatte, war zu Beginn der Tour noch offen, wie weit ich heute fahren werde.

Schließlich wurde es Bergen (Dumme), da bei einem Pedelec auch der Akku zum Teil die Länge der Tour mitbestimmt.

Die Fahrtstrecke (inkl. einer Erkundungstour bei Bergen) betrug an diesem Tag 85 Km.

 

Im Folgenden die Bild- und Textdokumentation des dritten Tagesabschnitts.

Mit Mausklick können die Bilder vergrößert werden.

Einige Bildtexte sind zu Google-Maps verlinkt und zeigen dort den jeweiligen Aufnahmestandort oder das im Bildtext beschriebene Objekt.


Tourübersicht  Tag 3

Schnackenburg/Elbe - Stresow - Arendsee (Südufer) - Salzwedel - Bergen (Dumme)

Tourkarte Tag 3


Stresow - das geschleifte Dorf

Die Dokumentations- und Gedenkstätte Stresow wird als Außenstelle des Museums Schnackenburg geführt.

Mit einem Gedenkstein und diversen Nachbauten der Grenzbefestigungsanlagen wird an das Dorf Stresow und seine Geschichte erinnert.

Zu DDR-Zeiten fiel es der „Aktion Ungeziefer“ zum Opfer, da es unmittelbar an der damaligen innerdeutschen Grenze zum Wendland lag und weichen musste.

Die Bewohner wurden zwangsumgesiedelt; deren erste Hälfte wurde am 30. Mai 1952 nachts von der Stasi, Polizei und Armee überrumpelt und abtransportiert.

Am 30. Juni 1974 wurde das Dorf vollends geschleift, d.h. dem Erdboden gleich gemacht.

 





Arendsee (Südufer)

Die Tour führte von Stresow weiter durch ausgedehnte Felder und Wiesen und schließlich entlang der Landesstraße 1 durch Kiefernwälder auf oftmals abenteuerlichen Radwegen. Baumwurzeln hatten den asphaltierten Radweg zu einer Buckelpiste gemacht. Gut durchgeschüttelt nahm der Radweg aber kurz vor dem Ort Arendsee wieder normale Konturen an.

Die folgenden Bilder zeigen, wie idyllisch es am Südufer des gleichnamigen Arendsees aussieht.

 


Vom Arendsee nach Salzwedel

Die Ortschaft Arendsee habe ich für eine kleine Pause genutzt, aber nicht weiter erkundet. In nordwestliche Richtung entlang der Landesstraße 5 ging es zur ehemaligen innerdeutschen Grenze, dann weiter auf niedersächsischem Gebiet parallel zum alten Grenzverlauf etliche Kilometer auf Feldwegen in westliche Richtung. Das Radtourenbuch schlägt zur Iron-Courtain-Route auch eine Alternativroute über  Salzwedel vor. Ich nahm die Alternativroute - auch deshalb, weil ich noch Verpflegung kaufen musste.

Salzwedel (etwa 25.000 Einwohner) besitzt ein geschlossenes mittelalterliches Altstadtensemble, für dessen Besichtigung ich mir bei einem nächsten Besuch mehr Zeit nehmen werde.

 

Am ehemaligen Verlauf der innerdeutschen Grenze

Ein Mahnstein am Grenzverlauf -

- errichtet nach der Wiedervereinigung

Die DDR-Grenzsäule Nr. 336.

Grenzsäulen standen ca. 3 bis 5 Meter vom Grenzverlauf entfernt auf DDR-Gebiet.

Salzwedel - Neutor


Von Salzwedel waren es entlang der B 71 noch 12 Km bis zu meinem nächsten Zielpunkt:

die ehem. Grenzübergangsstelle Bergen (Dumme) - Salzwedel/DDR

Im Rahmen des Grundlagenvertrages zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden 1973 vier neue Grenzübergänge für den sog. "kleinen Grenzverkehr" geschaffen.

Der Übergang Bergen - Salzwedel war einer dieser neuen Übergänge.

 

 

Wo bis 1990 noch das Staatsemblem der DDR eingesetzt war, ziert nun auf der einen Seite das Landeswappen von Sachsen-Anhalt und auf der anderen Seite das Niedersachsen-Ross den Pylon.

Zwischen Radweg und Straße ist noch deutlich der Kfz.-Sperrgraben zu erkennen, der eine Zufahrt auf die Straße und somit eine mögliche Flucht aus der DDR per PKW verhindern sollte. Oberhalb des Sperrgrabens zur Straße verlief noch ein Sperrzaun.

Aufgrund der bereits bestehenden Straßenverbindung des Grenzübergangs konnten die DDR-Bürger schon einen Tag nach der Verkündung der neuen Reiseregelungen an dieser Stelle in die Bundesrepublik reisen.

 


An vielen Stellen entlang der innerdeutschen Grenze, wie auch hier in Bergen (Dumme) - unweit der Grenzübergangsstelle, standen auf bundesrepublikanischer Seite solche Informationshäuschen, die den Besuchern einen Einblick in das DDR-Grenzsperrsystem und die damit verbundenen Gefahren bei unerlaubtem Betreten des DDR-Hoheitsgebietes gaben. 27 Jahre nach der Wiedervereinigung dient das Informationshäuschen als Ausstellungsfenster diverser Gegenstände, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Thema "deutsche Teilung" stehen.



An der Grenze südlich von Bergen (Dumme)

Ich hatte mich entschieden, in Bergen die heutige Tour zu beenden, wollte vor Einchecken im Hotel noch einen Teil der Grenze erkunden, an dem ich auf der morgigen Weiterfahrt nicht vorbei kommen würde.

Die Dumme als Grenzgewässer südlich von Bergen wollte ich mir noch anschauen. Doch die Dumme selbst, die in einem Natur belassenem Waldstück kaum auszumachen ist, war gut geschützt von mannshohen Brennnesseln. Nur ein Stück weiter öffnet sich der Wald und ein weiteres Biotop lag vor einem: der Harper Mühlenbach - längsseits des DDR Lochplatten-Grenzkolonnenwegs.

Aber auch hier war kein Durchkommen - eben Biotop.

Zurück nach Bergen und versuchen, ein Zimmer zum Übernachten zu finden.

 


Unterkunft in Bergen (Dumme)

Heute wollte ich mir einmal eine "Nobel-Herberge" gönnen. Hotel Nigel - das beste Haus am Platz - wie Einheimische mir sagten.

EZ für 40,- Euro, sauber und ausreichend Platz; Frühstück 8,- Euro.

Und auch das Restaurant bzw. den Biergarten kann ich guten Gewissens weiter empfehlen.

Man sollte nur darauf achten, ein Zimmer zum Hof zu bekommen, da der starke Durchgangsverkehr doch sehr lärmintensiv ist.

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Übrigens, von "Angriffen" der Eichen-Prozessionsspinnern bin ich verschont geblieben.



 

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