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Seite erstellt: 23.05.2014

Letzte Änderung: 28.05.2014

 

 

Die spektakuläre Flucht eines Soldaten der Grenzkompanie Stapelburg

 

In den Abendstunden eines nebligen Herbsttages Ende der 60er Jahre flüchtete ein Soldat der DDR-Grenzkompanie Stapelburg in ziviler Kleidung unbehelligt über die deutsch-deutsche Grenze nach Eckertal (Bad Harzburg).

 

Der junge Grenzsoldat hatte sich mit einem Mädchen aus Stapelburg, das mit ihren Eltern im 500 Meter breiten Schutzstreifen nahe der Grenze wohnte, vornehmlich mit dem Ziel verlobt, die idealen Voraussetzungen für eine Flucht in den Westen zu nutzen. Er hatte aufgrund der Verlobung nämlich die Genehmigung erhalten, seine Freundin regelmäßig zu besuchen.

 

Es gelang dem Soldaten, die Wachdiensteinteilung seiner Kameraden zu erfahren. Er wusste also, dass zum Beispiel der unweit der Bahnlinie stehende Beobachtungsturm, damals noch in Holzkonstruktion, nicht besetzt ist. Als Fluchtweg, der nur wenige hundert Meter lang war, wählte er diesen ihm bekannten und unverminten Abschnitt der deutsch-deutschen Grenze.

In seiner Grenzkompanie verabschiedete er sich mit den Worten: „Ich besuche meine Verlobte“.

Der Weg führte aber nicht zu seiner Verlobten, sondern unter Ausnutzung der Dunkelheit und des nebligen Wetters in Richtung Bahnlinie.

Nur mit einem Marschkompass ausgestattet, schlich er zur „Staatsgrenze West“, überwand dabei problemlos alle Grenzsperranlagen bis auf den ca. 3 Meter hohen Metallgitterzaun. Schweißtreibend kratzte er mit seinen Händen lautlos das Erdreich unter dem Zaum soweit weg, dass er unterdurch kriechen konnte.

Bei der zeitraubenden Buddelaktion bekam der Grenzsoldat fürchterliche Angst, entdeckt zu werden.

Anschließend durchquerte er den Grenzfluss Ecker. Damit war die mehrstündige und lebensgefährliche Flucht in den Westen geglückt!

 

Auf der Blankenburger Straße in Eckertal kam meinem Kollegen und mir, wir führten eine Grenzdienststreife durch, ein Mann entgegen, der uns mit ängstlicher Stimme sagte, er sei Soldat der DDR-Grenztruppen und soeben von Stapelburg in die BRD geflüchtet.

 

Wir gingen mit dem Flüchtling zur Grenzaufsichtsstelle Eckertal, stellten u.a. seine Personalien fest, ließen uns seine Flucht schildern und übergaben den jungen Mann, der unverletzt aber völlig erschöpft war, dem BGS Goslar.

Der Soldat, der Verwandte in NRW hat,  bedankte sich für die freundliche und herzliche Aufnahme und schenkte mir den mitgeführten Marschkompass F 58 der DDR-Grenztruppen, den ich in Ehren halte.

 

Anschließend setzten wir unsere Streife fort und sahen, dass die Grenzkompanie Stapelburg inzwischen eine Suchaktion ausgelöst hat, da der Soldat bei seiner Verlobten nicht eingetroffen war. Der Grenzabschnitt zwischen Stapelburg und Eckertal war hell erleuchtet. Zusätzlich wurden mit Scheinwerfern die Grenzsperranlagen ausgeleuchtet. 

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Aufgezeichnet im Mai 2014 von Helmut Gleuel, ehemaliger Zollbeamter der Grenzaufsichtsstelle Eckertal (Zollkommissariat Bad Harzburg)

Helmut Gleuel 1965

Der geschenkte Marschkompass F 58