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Seite erstellt: 27.07.2015

Letzte Änderung: 27.07.2015

 

 

1961 - Ein Vatertagsbier mit zwei DDR-Grenzern!

 

Im Mai 1961 hatte ich ein nettes Erlebnis an der "Zonengrenze" im Harz.

Mit der kath. Jugend vom Dekanat Xanten unternahmen wir mit dem Bundesgrenzschutz für eine Woche eine sogenannte „Zonengrenzfahrt“ von Süd nach Nord.

Es war für uns schon sehr beeindruckend, die Grenze mitten durch unser Land so zu sehen.

So kamen wir dann auch im Harz an. In Braunlage hatten wir einen freien Tag. Es war Christi Himmelfahrt, ein Feiertag (Vatertag!).

Nach einem Gottesdienst machten wir einen kleinen Frühschoppen und spazierten dann zu viert zur nahen Zonengrenze, nachdem wir uns noch kurz vor der Grenze in einer kleinen Kneipe ein Bierchen gönnten. *1)

 

Dann kamen wir an der Grenze an. Viel Wald und etwas gebirgig. Ein kleiner Bach *2) war wohl die Grenze. Dahinter ein Stacheldrahtzaun.

Da liefen 2 junge Grenzsoldaten bzw. Vopos. Wir riefen ihnen freundlich zu, ca. 30 Meter getrennt, und kamen ins Gespräch.

Die beiden waren sehr freundlich und riefen uns zu: „Ihr habt es gut, es ist ja Vatertag und trinkt Bier!“

Da rief ich rüber: „Wollt ihr auch ein Bier?“

„Ja klar“, riefen sie! Da lief einer von uns zur nächsten Kneipe und holte noch 2 Flaschen Bier und wir warfen den beiden das Bier zu.

 

In Bierlaune fragte ich, ob ich mal eben rüber springen dürfte für ein Foto, denn ich hatte eine Kamera dabei. „O.K.“, sagten die beiden!

Sportlich und mutig, wie ich bin - ich heiße ja Helmut!! - nahm ich einen Anlauf und sprang über den ca. 3-4 m breiten Bach zur anderen Seite.

Oh je! Da nahmen die beiden plötzlich ihre Maschinenpistolen. Ich erschrak. Nun bin ich gefangen!?

Da sagte der eine: „Keine Angst. Wir hängen die Dinger nur nach hinten!“ Da fiel mir ein Stein vom Herzen.

Nun sprangen Leo und Alfons auch noch ohne Angst rüber.

Heinz blieb mit meiner Kamera drüben und machte dann die eindrucksvolle Aufnahme. Arm in Arm mit den beiden, nur der Stacheldraht trennte uns!

 

 

 

 

Wir wollten die beiden überreden, auch in den Westen zu kommen, wie es damals täglich wohl Hunderte machten. Sie verneinten, ihre Eltern Geschwister und Freunde waren ja noch zu Hause!

 

Nachdem wir uns so ca. 10 Minuten nett unterhalten hatten, hörten wir in der Ferne einen Hund bellen.

„Haut schnell ab“, sagten die beiden. „Da kommt unser Boss!“

So sprangen wir schnell wieder zurück und rannten zum Hauptweg.

Nach einigen Minuten kam wirklich ein anderer Grenzer mit einem Schäferhund zu den beiden und dann liefen die drei nach links weiter in Richtung, wo der Boss herkam.

Ich versuchte heimlich, den beiden zuzuwinken, aber nichts regte sich.

Doch der Kleinere blieb dann etwas zurück, nickte nur kurz und winkte mit dem linken Händchen rüber.

 

Ja, dieses Erlebnis haben wir bis heute nicht vergessen und wünschen uns alle mal evtl. ein Wiedersehen mit den netten, tapferen Burschen!

Es sind ja nun einige Jahre vergangen. Ob sie noch leben???

 

Niedergeschrieben von Helmut Sommer im Januar 2015

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Anmerkungen

 

*1) Bei der „grenznahen Kneipe“ wird es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Silberfuchsfarm gehandelt haben.

 

*2) Der „kleine Bach“ wird sehr wahrscheinlich die Bremke gewesen sein.