Grenzwanderung am 27.08.2016

 

von Hornburg (Waldgaststätte Willeckes Lust) bis Osterwieck (Fallsteinklause)

 

 

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Seite erstellt: 12.03.2018

Letzte Änderung: 17.03.2018



Tour: 

Hornburg (Willeckes Lust) - Kleiner Fallstein-Fastweg (Kammweg Rhoden) - Osterwieck (Fallsteinklause) // ca. 8,5 Km

 

 

Treffpunkt an der Fallsteinklause bei Osterwieck

25 Teilnehmer/innen kamen am 27.08.2016 an der Fallsteinklause bei Osterwieck zur Grenzwanderung zusammen. Kalle Stüring und ich durften sowohl bekannte als auch neue Gesichter begrüßen.

Einige Teilnehmer hatten sich sogar von Bayern und Schleswig-Holstein auf den Weg gemacht, um bei herrlichem Sonnenschein die landschaftlich reizvolle Gegend an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu erwandern.

Anm.: einige Bilder können per Mausklick vergrößert werden und hin und wieder sind bei den Bildtexten Verlinkungen zu GoogleMaps hinterlegt, die den Aufnahmestandort anzeigen.

 


 

 

 

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Eine mobile Wanderbegleitung war dabei.


Kontrollpunkt Sperrzone

Mit einigen Fahrzeugen ging es zunächst von der Fallsteinklause Richtung Parkplatz vor Willeckes Lust bei Hornburg. Die übrigen Fahrzeuge blieben an der Fallsteinklause, die der Zielpunkt der Wanderung war, stehen.

Einen ersten Zwischenstopp auf der Fahrt gab es aber bereits nach wenigen Kilometern kurz vor Hoppenstedt. Wir passierten die ehem. Kontrollstelle für die Sperrgebiet Ein- und Ausfahrt.

In das grenznahe Gebiet durften DDR-Bürger nur mit einem besonderen Berechtigungsschein hinein. Das galt auch für die im sog. Sperrgebiet wohnenden DDR-Bürger.

Das Sperrgebiet umfasste in der Regel einen Raum von ca. 3 bis 5 Km Tiefe bis zur "Staatsgrenze West". An den Straßen, die in das Sperrgebiet führten, wurden Schlagbäume und Kontrollhäuschen errichtet. Der gesamte Kontrollpunkt wurde mittels Strahler und/oder Straßenlampen ausgeleuchtet.

Ein solcher Kontrollpunkt befand sich an der Straße von Osterwieck Richtung Hoppenstedt, etwa 1 Km vor Hoppenstedt.

Die folgenden ersten drei Bilder sind nach der Wende aufgenommen worden. Heute ist noch eine Bogenlampe vom damaligen Kontrollpunkt erhalten geblieben (siehe viertes Bild).

 

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Kalle Stüring (ehem. BGS) erklärt die Situation

an einem Sperrgebiet-Kontrollpunkt.

Helmut Maushake (ehem. DDR-GrTr.) ergänzt.

 

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Aufmerksame Zuhörer

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Blick zum Kleinen Fallstein, der an diesem Tage noch erwandert werden sollte.


Willeckes Lust - Startpunkt der Grenzwanderung

Die Waldgaststätte Willeckes Lust bei Hornburg war aufgrund ihrer Lage ein beliebtes Ausflugslokal.

[Wenn man den Erzählungen glauben darf, sollen in der 1950er Jahren sogar sowjetische Soldaten (bewaffnet) das Lokal zu einem gemütlichen Umtrunk besucht haben.]

Insbesondere an den Wochenenden verbanden die Besucher der innerdeutschen Grenze bei Hornburg ihren "Ausflug" mit einem Abstecher in die Waldgaststätte.

Mit der Grenzöffnung nahm die Gästezahl merklich ab, was schließlich zur zwischenzeitlichen Schließung des Lokals führte.

Seit einiger Zeit hat die Waldgaststätte, die in Familienbesitz geblieben ist, an den Wochenenden und Feiertagen ab 11.00 Uhr wieder geöffnet.

Vom Parkplatz an der Landesstraße 87 führt die Wanderung an Willeckes Lust vorbei zum kurzen Anstieg hoch zum Fastweg des Kleinen Fallsteins.

 

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Zwischen Parkplatz und Willeckes Lust befindet sich ein Bogenschießplatz.

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Waldgaststätte Willeckes Lust.

 

Ein paar Infos zu Willeckes Lust.

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Am Anstieg zum Fastweg öffnet sich der Blick Richtung Südwesten in die Grenzregion um Probsteiholz, Isingeroder Hang u. Göddeckenrode.


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Die Aussicht genießen

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Nur noch ein paar Meter Höhe zu überwinden ....

 

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.... und der schwierigste Anstieg der Wanderung ist überwunden.

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Auf dem Fastweg des Kleinen Fallsteins geht es nun ca. 8 Km Richtung Südosten.


Der ehemalige Grenztruppenangehörige Marko Hahn und sein Hund erwarteten uns am Rande des Fastweges auf dem Kleinen Fallstein.

Noch ein paar Informationen in Wort und Bild über den damaligen Grenzverlauf und die Sperranlagen.

 

wie Bild vor

wie Bild vor


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Nur noch 200 Meter auf dem Fastweg bis zum ehemaligen Grenzverlauf (direkt am Waldrand).

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Blick vom Fastweg nach Nordosten

zum Grenzdorf Rhoden.

 

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Die 2015 am Fastweg errichtete Skulptur Sola Fide stellt den Grundsatz Martin Luthers „Allein durch den Glauben“ als eine Mischung aus Menschen und Engeln dar.


Fastweg - Grenzverlauf

Im Braunschweiger BGS-Grenzabschnitt war die Grenze am Fastweg landschaftlich der interessanteste Grenzpunkt.

Zu beiden Seiten ergab sich ein eindrucksvoller Blick - Richtung Nordost bis zum Elm, Richtung Südwest bei guter Sicht bis zum Brocken.

Gleichwohl waren die Grenzsperranlagen ebenso abschreckend wie an anderer Stelle der innerdeutschen Grenze auch.

 

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Blick vom Fastweg nach Südwesten.

Direkt neben dem Ackerrain links verlief die innerdeutsche Grenze.

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Vergleichsbild (1975).

Der selbe Ackerrain wie im vorherigen Bild:

grüne Fläche, linker Rand

 

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Wie Bild vor (Aufnahme ca. 1980).

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Der ehemalige Grenztruppenangehörige Helmut Maushake informiert die Grenzwanderer über den Dienst an der Grenze.

Die vom BGS aufgestellten weißen Pfähle mit den roten "Köpfen" markieren den Grenzverlauf.

Dort beginnt die DDR mit ihren Grenzsperranlagen. Aufbau der Sperranlagen von West nach Ost:

Vorgelagertes DDR-Hoheitsgebiet mit DDR-Grenzsäule und "Achtung Minen"-Hinweisschildern, Streckmetallzaun, Minenfeld, Spanische Reiter (statt Kfz.-Sperrgraben), geeggter Kontrollstreifen "K6", Kolonnenweg, B-Turm.


Die Gruppe direkt am Grenzverlauf - an der Stelle, wo vor der Wende eine vom Technischen Zug des BGS Braunschweig aufgestellte Barke einen unbeabsichtigten Übertritt auf DDR-Gebiet verhindern sollte (siehe folgendes Bild).

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Hinter der Barke verlief die Grenze. Im Hintergrund der Holz-BT am Fastweg. Der Raum zwischen Grenzverlauf und BT (ca. 300 Meter) war, wie auf der Aufnahme von 1974 erkennbar, überwiegend noch bewaldet.

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Auf der obigen Aufnahme von 1985 sind alle Bäume zwischen Grenzverlauf und BT abgeholzt. Ein stabiler BT aus Beton und Mauerwerk hat vor Jahren den Holz-BT ersetzt.

Mittlerweile hat sich die Natur wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück gewandelt. Überwiegend Birken bedecken nun den Kleinen Fallstein am ehem. innerdt. Grenzverlauf.


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Von dieser Stelle beobachteten und fotografierten die DDR-Grenzer die "Staatsfeinde" im Westen.

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Britische Streitkräfte am Fastweg 1984 -

aufgenommen von Grenzaufklärern der DDR-GrTr.

 

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BGS-Angehörige waren ein ebenso beliebtes Fotomotiv für die Grenzaufklärer.

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Nach wenigen Metern trafen wir am Grenzzaun auf einen Grenztruppenangehörigen, der wohl von den Ereignissen im November 1989 nichts mitbekommen hat. Er hält immer noch Wacht!


Marko Hahn aus dem nahen Ort Rhode hatte eine Schaufensterpuppe mit Uniformteilen aus dem Heimatmuseum Abbenrode "bekleidet" und am Zaun aufgestellt, ....

.... was einige Grenzwanderer ....

 

 

.... zum Fotoshooting animierte.

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Auch ein Pressevertreter hatte von der Grenzwanderung erfahren und war vor Ort erschienen, um einen Bericht zu erstellen.


Beobachtungsturm am Fastweg (Kamm Rhoden)

 

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Vom Grenzverlauf etwa 300 Meter entfernt wurde der Beobachtungsturm am Fastweg erreicht. Das Besondere an diesem Turm ist, dass er im oberen Drittel gemauert ist und nicht, wie bei dieser Turmart sonst üblich, in Gänze aus Beton-Fertigteilen besteht.

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Das gleiche Objekt Ende der 1980er Jahre.

Ringsum freies Sicht- und Schussfeld.

Die Eingangstür des Turmes befindet sich dort,

wo der LKW steht.

 

Am BT wurde erst einmal eine kleine Pause eingelegt. Marko Hahn hatte einige Kaltgetränke besorgt, die von den Grenzwanderern aufgrund der hohen Außentemperaturen gern angenommen wurden. Wer wollte, konnte auch den BT von innen besichtigen und einen Blick aus der oberen Etage werfen.

Marko Hahn kümmert sich auch um die Erhaltung des Turmes und sucht noch Materialien für die Innenausstattung.


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Aufstieg mit Kaltgetränk.

Fachsimpeln zw. Grenzern Ost und West.

 

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Blick vom Turm.

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Der Grenzort Rhoden nördlich des BT.


Entlang des Kammweges auf dem Kleinen Fallstein

Gestärkt von der Pause sollte nun der Kammweg bis zur Fallsteinklause bei Osterwieck erwandert werden. Zunächst noch ein Stück auf dem Lochplatten-Kolonnenweg verläuft der Wanderweg bald überwiegend auf Natur belassenen Wegen und Pfaden. Der Kammweg des Kleinen Fallstein ist auch ein Teilstück des Pilgerweges "Via Romea", des Harzer Grenzweges sowie des Grünen Bandes.

Ausblicke in die Vorharzregion und zur anderen Seite Richtung Elm kann man ebenso genießen wie die Waldabschnitte des Naturschutzgebietes.

 

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Objekt 100

1000 Meter nach dem Grenzverlauf rechnete man eigentlich nicht mehr damit, auf ein Grenzrelikt zu stoßen. Doch die beiden ehemaligen Grenztruppenangehörigen Helmut Maushake und Marko Hahn hatten noch etwas Besonderes zu präsentieren. 10 Meter neben dem Fastweg konnte man einen ungewöhnlichen Hügel an dem nach Süden abfallenden Hang sehen. Hierbei handelte es sich um einen Betonbunker, der jedoch die üblichen Maße eines Beton-Beobachtungsbunkers weit übertraf und auch völlig anders aussah. Die Erklärung dafür hatte die Wandergruppe dann doch sehr überrascht und ungläubiges Kopfschütteln hervor gerufen. Dieser Bunker gehörte nicht zum Grenzsperranlagensystem, sondern diente einigen Grenztruppenangehörigen (und deren Partnerinnen) als Raum für "ungezwungene Zusammenkünfte", was der Wandergruppe durch entsprechendes Bildmaterial belegt wurde.

 

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Standort des Objekts 100

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Zugang zum Bunker auf der dem Kammweg abgewandten Seite.

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"Eingangsbereich".

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Der "Feierraum"


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Und weiter auf dem Kammweg

 

Kurze Rast an einem schattigen Platz.

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Der mobile Fahrdienst musste nicht in Anspruch genommen werden.

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Kurz vor Zielerreichung wurde noch eine kleine Abkürzung über ein Stoppelfeld genommen.


Fallsteinklause - Ziel der Wanderung

Den Abschluss des Tages bildete noch ein gemütliches Zusammensein im Außenbereich der Fallsteinklause und alle Teilnehmer/innen machten einen sichtlich zufriedenen Eindruck von dem Erlebten der heutigen Tour.

 



 

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(c) Text: Wolfgang Roehl; Fotos von Gabi & Rüdiger Elsner, Lothar Engler, Hermann Pröhl, Karl-Heinz Stüring & Wolfgang Roehl