Hötensleben

eine DDR Ortschaft direkt an der innerdeutschen Grenze

 

 

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Seite erstellt: 08.03.2010

Letzte Änderung: 14.10.2014


Bilddokumentation

Sperranlagen

Zeitungsartikel

Der Fährturm Grenzöffnung Grenzdenkmal

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Der Fährturm

Grenzöffnung

Grenzdenkmal


Hötensleben - eine DDR Ortschaft direkt an der innerdeutschen Grenze



Hötensleben war - durch seine Lage bedingt - ein für die DDR geeignetes Objekt, das Grenzsicherungssystem ständig auszubauen und bis ins Kleinste zu verfeinern.

Mehrere Beobachtungstürme verschiedenster Bauart, eine Betonmauer und eine Sichtschutzmauer, Metallgitterzaun, Schutzstreifenzaun, Hundelaufanlagen, mehrere Betonbunker, Spanische Reiter, dazu drei große Lichtanlagen - dieses menschenunwürdige Bollwerk auf einer Länge von nur ca. 1.000 Metern verhinderte jegliche Flucht.

Die Bewohner von Hötensleben waren im wahrsten Sinne des Wortes "eingemauert". Diejenigen, die direkt am "antifaschistischen Schutzwall" wohnten, waren besonders tagtäglich mit dieser abnormen Situation konfrontiert, war der freie Westen doch stets sichtbar, so greifbar nah - aber dennoch unerreichbar.

Für uns BGS'ler war eine Streifenfahrt mit Anlaufpunkt Fährturm ebenfalls immer etwas Besonderes.

Nirgends wo sonst im Grenzabschnitt wurde das menschliche Leid, das mit der Teilung einherging, für uns so deutlich, wie am Grenzpunkt Fährturm - gegenüber Hötensleben.

Neben den üblichen Beobachtungen und Aufzeichnungen über Turmbesetzungen, Fußstreifen, usw. hingen unsere Ferngläser auch immer an den Fenstern der direkt an der Grenze liegenden Gebäude von Hötensleben. Hin und wieder konnten wir ein kleines Zeichen wahrnehmen. Mit der Zeit war uns bewusst, dass ein Auf- und Zuziehen der Gardine einen Gruß an uns darstellte, ebenso wie das Handtuch, das aus dem Fenster ausgeschüttelt wurde oder der Blumentopf, der in die Fensterbank gestellt wurde. Die Angehörigen der DDR-Grenztruppen sahen dieses natürlich auch und konnten sich ebenfalls ihren Reim darauf machen. Nur konnten (oder wollten) sie nichts dagegen unternehmen, denn das Zuziehen einer Gardine oder das Ausschütteln eines Handtuchs war ja nicht verboten. Vielleicht hätten sie selbst auch gern einmal einen Gruß herüber geschickt.

Ein Ereignis aus dem Sommer 1974 habe ich noch besonders gut in Erinnerung. Ein Samstag - Nachtstreife - stehende Beobachtung am Meldepunkt Fährturm. Aus einem der Gärten der vorderen Häuserreihe hörte man lautes Stimmengewirr. Bunt scheinende Lampions waren zu sehen. Es fand wohl eine kleine Feier in einem der Gärten statt. Dann wurde ein Lied angestimmt: "Warum ist es am Rhein so schön?" - alle Strophen und noch einmal von vorn. Ich fand es sehr mutig von den Feiernden, ein Lied unter den Augen und Ohren der Grenztruppen lautstark in die Sommernacht hinaus zu trällern, das auch als Protest gegen das Gefangensein im eigenen Land hätte ausgelegt werden können. Ob noch Sanktionen daraus erfolgten?


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